Indonesien auf einem historischen Globus

Die Suche nach historischen Spuren von Hallensern in Indonesien

Stadtmuseum | 15.10.2026 Entdecken

Welche Kontakte gab es zwischen Hallensern und Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien? Im Rahmen eines Praktikums recherchierte Andrew Potuan nach solchen Spuren. Dabei stieß er auf die Hallesche Maschinenfabrik und Eisengießerei (MAFA) sowie auf deren Beziehungen zur Zuckerindustrie in Ostjava.

von Andrew Potuan 

Während meines Praktikums für den Fachbereich Stadtgeschichte und Erinnerungskultur der Stadt Halle (Saale) untersuchte ich historische Verbindungen zwischen Halle und Indonesien. Ich bin selbst Indonesier und studiere an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Geschichte und Poltikwissenschaften. Zu Beginn stimmte ich mit meinem Betreuer Norbert Böhnke mögliche Themen ab, zunächst auch mit Blick auf die NS-Zeit. Ich recherchierte in digitalisierten Zeitungsarchiven und im Suchsystem der ULB-Halle. Gespräche mit dem Indisch-Herinneringscentrum (NL), dem NIMH und der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau eröffneten weitere Möglichkeiten. Dazu gehörten der Untergang des Schiffes „Van Imhoff“ mit Karl Willem Meerbothe, der Geograph Wilhelm Volz, der Indologe Hans-Hasso von Veltheim sowie die MAFA und die Pumpenwerke Weise-Monski.

Ich entschied mich schließlich für die MAFA, weil die Quellenlage für meinen Schwerpunkt besser war. Dafür recherchierte ich im Landesarchiv Sachsen-Anhalt in Merseburg, im Stadtarchiv Halle, in der ULB-Halle und im Universitätsarchiv Halle. Eine Spur führte nach Soerabaja, dem heutigen Surabaya, in Ostjava. Dort arbeitete der Ingenieur Erich Langelüddecke in den 1920er-Jahren für die MAFA-Vertretung im Umfeld der Zuckerindustrie. Sein Sohn, Erich Rudolf Langelüddecke, wurde 1927 in Soerabaja geboren und war später Professor für Politische Ökonomie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er beschäftigte sich unter anderem mit Neokolonialismus und Marxismus-Leninismus. Diese Familiengeschichte verdeutlicht die historischen Verbindungen zwischen der Handels- und Industriegeschichte Halles und Indonesien.

2 historische Fotos zeigen das Innere einer Maschinenhalle

Historische Bilder der Rohzuckerfabrik in Soerabaja, aus: Irmtraud Dalchow „Die Hallesche Maschinenfabrik und Eisengießerei AG von ihrer Gründung bis zum Jahre 1918“, Seite 38

Offen bleibt, ob und inwiefern die Erfahrungen des Vaters die wissenschaftliche Laufbahn und die internationale Perspektive seines Sohnes beeinflussten. Auch über die Arbeit des Vaters in Soerabaja und die Rolle der MAFA in der indonesischen Zuckerindustrie möchte ich mehr erfahren. Am 13. Oktober 2026 präsentierte ich die Ergebnisse meiner Recherche in einer Dienstberatung zum Abschluss meines Praktikums. Die offenen Fragen zeigen, warum es sich lohnt, weiterzuforschen und das Wissen über diese Geschichte für die Öffentlichkeit zu bewahren.

Die Geschichte der MAFA macht deutlich, dass hallesche Unternehmen schon damals international tätig waren. Durch den Handel konnten Waren, Ideen und Wissen zwischen verschiedenen Ländern ausgetauscht werden. Gleichzeitig war der Außenhandel mit Niederländisch-Indien in koloniale Verhältnisse eingebunden. Warum sollten wir uns heute daran erinnern? Der Blick in die Vergangenheit kann helfen, über die Chancen und Grenzen des Handels nachzudenken: Wie kann internationaler Handel künftig zu gegenseitigem Verständnis und friedlicher Zusammenarbeit beitragen? Die Geschichte zwischen Halle und Indonesien gibt Anlass, diese Frage zu stellen.

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