Der Wunsch-O-Mat: Stimmen zur Zukunft der Stadt
Was wünschen sich Menschen für die Zukunft ihrer Stadt? Der Wunsch-O-Mat startete als Station in der Kinderstadt 2025 und wurde danach Teil einer Ausstellung im Stadtmuseum Halle. Ein Blick auf Fragen, Ideen und vielfältige Perspektiven zur Stadtentwicklung.
von Anna Charlotte Klappauf
Der Wunsch-O-Mat wurde ursprünglich für die Kinderstadt Halle 2025 entwickelt, ein Demokratieprojekt für Kinder, das alle zwei Jahre in den Sommerferien für mehrere Wochen auf der Peißnitzinsel stattfindet. Dort konnten junge Stadtbürger:innen ihre Ideen, Meinungen und Wünsche zur Zukunft der Kinderstadt formulieren. Anschließend war der Wunsch-O-Mat Teil der Sonderausstellung „Spiel weiter!“, die vom 14. September 2025 bis zum 11. Januar 2026 im Stadtmuseum Halle zu sehen war. Dafür wurde er transformiert: Die Fragen wurden auf die Stadt Halle (Saale) bezogen und richteten sich an alle Besuchenden, also auch an Erwachsene. In diesem Zeitraum wurden 183 Antworten gesammelt.
Grundlage des Wunsch-O-Mats für die Ausstellung waren 15 Fragen, die in fünf thematische Unterkategorien gegliedert waren. Sie reichten von der Zufriedenheit mit Spielplätzen über Fragen zu einem Tempolimit von 30 km/h im Stadtverkehr bis hin zur Haltung gegenüber einem Verbot von privatem Feuerwerk. Die Antworten zeigen eine große Bandbreite an Perspektiven und machen sichtbar, wie unterschiedlich Zukunftsvorstellungen innerhalb der Stadtgesellschaft sein können.
Grünflächen
Grünflächen und Spielplätze wurden von vielen Hallenser:innen kritisch bewertet, insgesamt überwiegt ein deutliches Gefühl von Unzufriedenheit und Verbesserungsbedarf. Besonders häufig wurden der Marktplatz und der Hallmarkt als zu trist beschrieben – hier besteht der starke Wunsch nach mehr Bäumen, entsiegelten Flächen und Grün insgesamt. Auch die Innenstadt im Allgemeinen sowie vereinzelt die südliche Innenstadt, Freiimfelde und der Riebeckplatz wurden als Bereiche genannt, in denen Grünflächen fehlen. Zusätzlich wurde angeregt, Dächer stärker zu begrünen, um neue grüne Räume zu schaffen und das Stadtklima zu verbessern.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Spielplätzen und Aufenthaltsorten für Kinder und Jugendliche. Gewünscht werden mehr Spiel-, Fußball- und Basketballplätze sowie sauberere und sicherere Anlagen. Glasscherben, Zigarettenreste und Hundekot wurden häufig als Gefahrenquellen benannt. Neben einer regelmäßigen Pflege und schnellen Reparaturen besteht der Wunsch nach barrierefreien Spielplätzen und besserer Infrastruktur, etwa durch Sitzplätze, Trinkbrunnen, Schatten, öffentliche WCs und Sportangebote.
In der Gestaltung von Grünflächen zeigte sich ein klares Meinungsbild: Einstimmig wurden Wildblumenwiesen klassischen Blumenrabatten vorgezogen. Sie gelten als ökologisch sinnvoller für Insekten, zugleich als attraktiv, naturnah und vielseitig nutzbar. Insgesamt wird Grün als zentraler Faktor für Lebensqualität und Teilhabe in der Stadt verstanden.
Verkehr
Beim Thema Stadtverkehr standen Nutzungskonflikte und der Wunsch nach einer menschengerechteren Stadt im Mittelpunkt. In der Frage, ob die Innenstadt mehr Parkplätze oder mehr Sitzbänke braucht, sprach sich eine klare Mehrheit für zusätzliche Sitzgelegenheiten aus. Als Begründung wurde häufig genannt, dass der öffentliche Raum den Menschen dienen solle und der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel wünschenswert sei. Als möglicher Kompromiss wurde die Idee von Tief- oder Hochgaragen eingebracht, um Autos aus dem direkten Stadtraum herauszuhalten.
Auch beim Tempolimit zeigte sich ein deutliches Meinungsbild: Die große Mehrheit befürwortete Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet. Begründet wurde dies mit mehr Sicherheit, weniger Lärm und der Haltung, dass Städte für Menschen und nicht für Autos da seien. Kritisiert wurde zudem, dass viele Autofahrer:innen zu schnell unterwegs seien, verbunden mit dem Wunsch nach mehr Kontrollen, Blitzern und einer weitgehend autofreien Innenstadt.
Deutlich differenzierter fielen die Antworten zur Frage aus, ob Fahrradfahren in der Leipziger Straße erlaubt werden sollte. Die Mehrheit sprach sich dagegen aus und verwies auf mangelnde Rücksichtnahme, insbesondere gegenüber Kindern. Gleichzeitig wurde betont, dass es bessere Lösungen brauche: genannt wurden ein eigener Radweg oder eine grundsätzliche Neuordnung der Verkehrsführung, da auch die Ausweichroute über die Martinstraße als problematisch empfunden wird.
Stadtleben
Im Bereich Stadtleben standen Fragen nach Gemeinschaft, Begegnung und verantwortungsvollem Umgang mit Ressourcen im Vordergrund. Das Laternenfest wurde von den meisten als sehr wichtig für die Stadt empfunden, da es viele Menschen zusammenbringt und ein besonderes Spektakel ist. Gleichzeitig wurde auch anerkannt, dass die finanziellen Mittel begrenzt sind. Sowohl Befürworter als auch Kritiker schlugen daher vor, das Fest in kleinerer Form weiterzuführen, um Kosten zu sparen, ohne ganz darauf zu verzichten.
Bei der Frage nach Treffpunkten für Jugendliche zeigte sich ein deutliches Bedürfnis nach mehr Raum und Akzeptanz. Viele waren der Meinung, dass Jugendliche sich grundsätzlich überall im öffentlichen Raum aufhalten dürfen sollten, da sie ebenso Teil der Stadtgesellschaft sind wie alle anderen. Zugleich wurde der Wunsch nach Rücksichtnahme geäußert, damit es nicht zu nächtlicher Ruhestörung oder Vermüllung kommt. Deutlich wurde jedoch auch, dass es in Halle an geeigneten Orten für Jugendliche fehlt. Es gibt zu wenige offene Räume, Clubs und niedrigschwellige Angebote. Besonders vermisst wird das LaBim, das als kultureller Treffpunkt, Veranstaltungsort und kreativer Raum eine wichtige Rolle gespielt hat.
Auch beim Thema privates Feuerwerk zeigte sich ein nahezu einheitliches Meinungsbild. Die meisten sprachen sich für ein Verbot aus und nannten stattdessen öffentliche Alternativen wie ein zentrales Feuerwerk oder in jedem Stadtteil. Vorgeschlagen wurden zudem Angebote am Nachmittag für Kinder sowie spätere Veranstaltungen für Erwachsene oder moderne Formate wie Drohnen oder Lasershows. Als Gründe wurden unter anderem die hohe Lautstärke, Belastungen für Tiere und Umwelt, Feinstaub, Rücksicht auf traumatisierte Menschen sowie eine geringere Verletzungsgefahr genannt.
Mensch und Tier
Im Themenfeld Mensch und Tier zeigte sich insgesamt ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein gegenüber Tieren im urbanen Raum. Die Frage nach mehr Hundewiesen wurde fast durchgängig bejaht. Gewünscht wurden vor allem eingezäunte Flächen, auf denen Hunde sicher frei laufen können. Zwar gab es zu diesem Punkt nur wenige Antworten, diese fielen jedoch sehr eindeutig aus.
Deutlich umfangreicher waren die Rückmeldungen zum Umgang mit Stadttauben. Hier überwog klar die Haltung, dass Tauben besser geschützt und betreut werden sollten. Genannt wurden unter anderem kontrollierte Taubenschläge, die ehrenamtlich betreut werden und deren Finanzierung beispielsweise durch Geldstrafen aus Tierschutzvergehen erfolgen könnte. Viele wünschten sich mehr Respekt und Raum für Tauben sowie einen bewussteren Umgang mit ihnen als Teil der Stadt. Vorgeschlagen wurden außerdem Maßnahmen zur Bestandsregulierung durch den Austausch von Eiern sowie der Aufbau von Auffangstationen. Hintergrund ist die Erfahrung, dass sich derzeit kaum eine Institution für verletzte Tauben zuständig fühlt.
Ein sehr klares Meinungsbild zeigte sich außerdem bei der Frage nach einer Kastrationspflicht für freilaufende Katzen und Kater. Diese wurde einstimmig befürwortet. Als Gründe wurden die unkontrollierte Vermehrung, überfüllte Tierheime und der Schutz anderer Tiere genannt. Zudem wurde betont, dass Tiere bevorzugt aus dem Tierheim adoptiert werden sollten und ein wachsender Katzenbestand auch negative Auswirkungen auf die Vogelpopulation hat.
Welche Wünsche und Ideen gibt es sonst noch?
Im letzten Themenblock ging es um Mitbestimmung und die Frage, wie Einfluss auf die Stadt genommen werden kann. Bei der Nachfrage zur Plattform mitmachen-in-halle.de zeigte sich ein gemischtes Bild. Einige kannten die Website und hatten sie bereits genutzt, viele jedoch noch nicht. Es wurde betont, dass das Angebot bekannter werden müsse, damit sich mehr Menschen beteiligen und tatsächlich Wirkung auf politische Entscheidungen und den Stadtrat entfalten können.
Die abschließende offene Frage führte zu einer besonders großen und vielfältigen Beteiligung. Hier wurden die meisten Zettel eingeworfen und eine breite Palette an Wünschen, Ideen und Anregungen formuliert. Ein zentrales Thema war erneut der Verkehr. Viele wünschten sich ein neues Gesamtkonzept mit einer autofreien Innenstadt, einer besseren Anbindung des Umlands, einem zuverlässigeren und bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr sowie deutlich besseren Radwegen. Genannt wurden außerdem Park&Ride-Angebote, mehr Elektromobilität und Kritik an bestehenden Verkehrsbauten wie der Hochstraße nach Halle Neustadt.
Auch Umwelt und Tierschutz spielten eine große Rolle. Häufig genannt wurden der Wunsch nach mehr Bäumen und Grünflächen, deutlich weniger Müll im Stadtgebiet und mehr Tierheime. Daneben tauchten zahlreiche sehr persönliche und kreative Ideen zum Stadtleben auf. Diese reichten von mehr Clubs und längeren Öffnungszeiten über Gesundheitsangebote für alle bis hin zu ungewöhnlichen Visionen wie längeren Grünphasen an Ampeln, mehr Sternschnuppen am Himmel, einer schwimmbaren Glasröhre in der Stadt oder ganz pragmatischen Wünschen nach mehr Unterstützung für Ehrenamt und Engagement.
Besonders oft wurde jedoch das Thema Zusammenleben angesprochen. Viele wünschten sich ein friedliches Miteinander, mehr gegenseitigen Respekt und Offenheit gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen. Genannt wurden außerdem Wünsche nach Freiheit, Gleichberechtigung, mehr Rechten für Frauen, besseren Möglichkeiten für Kinder sowie einem klaren Eintreten gegen Ausgrenzung, Rechtsextremismus und Hass. Insgesamt zeigen die Antworten, wie stark der Wunsch nach Mitgestaltung, Solidarität und einer lebenswerten Stadt verankert ist.
Die Auswertung des Wunsch-O-Mat zeigt eindrücklich, wie vielfältig, konkret und zugleich werteorientiert die Vorstellungen von Stadt sind. Ob Grünflächen, Verkehr, Stadtleben, Mensch und Tier oder Mitbestimmung, in allen Bereichen wird deutlich, dass sich viele Menschen eine Stadt wünschen, die lebenswerter, gerechter und gemeinschaftlicher ist. Die Antworten machen sichtbar, wo Unzufriedenheit besteht, aber auch, wie groß die Bereitschaft ist, mitzudenken und Verantwortung zu übernehmen. Der Wunsch-O-Mat hat damit nicht nur Meinungen gesammelt, sondern einen Raum geöffnet für Dialog, Perspektivenvielfalt und Zukunftsbilder. Er macht deutlich, dass Stadt kein fertiger Zustand ist, sondern ein gemeinsamer Prozess, der davon lebt, dass viele Stimmen gehört werden.
