Kuratorin Dr. Berit Wagner mit Gemälde von Philippine Charlotte im Christian-Wolff-Saal des Stadtmuseums halle

Spendenaufruf zum Ankauf des Gemäldes von Philippine Charlotte von Preußen

Stadtmuseum | 13.02.2026 Neuigkeiten

Philippine Charlotte von Preußen war eine Sympathisantin der Wolffschen Philosophie. Sie übersetzte auszugsweise Schriften Christian Wolffs (1679–1754) ins Französische und steht beispielhaft für die hohe Bildung von Frauen im 18. Jahrhundert. Nun steht ihr Portrait, gemalt von Barbara Rosina de Gasc (zugeschrieben), zum Verkauf.

von Dr. Berit Wagner, Stadtmuseum Halle

Dem Stadtmuseum bietet sich die seltene Gelegenheit das Gemälde zu erwerben: Eine Offerte aus dem Kunsthandel stellt das nach 1770 entstandene Porträt zum Kauf. 

Prinzessin Philippine Charlotte von Preußen

Philippine Charlotte von Preußen (1716–1801)  war die Tochter des preußischen Königspaares Friedrich Wilhelm I. und Sophie Dorothea, die den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz verehrte. Durch ihre Heirat 1733 wurde sie Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel, wo sie eine große Bibliothek zusammentrug. Das Bildnis wird der Malerin Barbara Rosina de Gasc zugeschrieben. Als Vorbild diente ein Porträt, das Preußenkönig Friedrich II., ihr älterer Bruder, bei der Malerin in Auftrag gab. Es befindet sich heute im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Das Gemälde soll künftig in der Dauerausstellung einen Platz im Kreis der Anhänger der Philosophie des halleschen Denkers erhalten. Philippine Charlotte gilt als Sympathisantin Wolffs, da sie Werkauszüge ins Französische übersetzte. Die aktuelle Biographie Wolffs verweist weiterhin auf einen Besuch des Herzogspaares in Halle, bei dem es zu einem intensiven philosophischen Gespräch kam. Die Herzogin lud den Universalgelehrten anschließend nach Wolfenbüttel ein, um noch mehr über die aufklärerische Philosophie zu erfahren.

Diese Beschäftigung legitimiert ihren Platz innerhalb der überwiegend männlich geprägten Anhängerschaft Christian Wolffs, deren aktive Vertreter als Wolffianer bezeichnet werden. Die genaue Verortung Philippine Charlottes innerhalb der Wolff-Rezeption ist noch zu erforschen. Das Stadtmuseum will sich dieser Aufgabe in Kooperation mit Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen widmen. Schließlich pflegt das Christian-Wolff-Haus pflegt einen kritischen Umgang mit der Verbreitung von Wolffs Ideen in Europa und beleuchtet auch die spannenden Brüche in der Anerkennung seiner Philosophie. 

Philippine Charlotte soll im Museum auch beispielhaft für die hohe Bildung von Frauen im 18. Jahrhundert stehen. Kunst, Literatur und Wissenschaft gehörten zu ihren Leidenschaften. Sie war Mutter mehrerer Kinder; eine Tochter gründete später die weltbekannte Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Auch ihr Porträt selbst spiegelt die Aufklärungszeit in eigenwilliger Weise wider. Schließlich wurde weibliche Schönheit noch vielfach lediglich mit faltenloser Jugend gleichgesetzt. Der stille, wissende Blick, das ungeschminkt dargestellte Alter und der Verzicht auf ablenkende Attribute scheinen hier den Anspruch auf Wahrhaftigkeit und Vernunft zu betonen. Weiblichkeit, Alter und Erfahrung werden positiv dargestellt. Das karmesinrote, mit Pelz besetzte Gewand, feine Spitze und wertvolles Geschmeide wirkt vornehm, könnte aber auch Kleidung einer Bürgerlichen sein. 

Das Foto zeigt die Gebäude des Stadtmuseums und eine Denkmal von Christian Wolff.

Das Portrait im Christian-Wolff-Haus

Der Ankaufswunsch unterstützt das Bestreben, das Christian-Wolff-Haus auch künftig als überregionale Gedenkstätte für Wolff und die europäische Frühaufklärung zu profilieren. In dem barock umgebauten Renaissancehaus in der Märkerstraße 10 lebte der Philosoph ab 1742 bis zu seinem Tod. Friedrich II. hatte ihn zuvor zurück an die Universität Halle geholt. Insbesondere das um 2000 wachsende internationale Interesse an dem Vorläufer Immanuel Kants schlug sich mit verschiedenen Ausstellungen, Publikationen, Initiativen und einem internationalen Kongress in Christian Wolffs Wirkungsort Halle nieder. Daraus folgte die wegweisende Entscheidung, das ehemalige Professorenhaus ab 2012 dauerhaft mit einer Ausstellung zu Wolff und der halleschen Geselligkeit im 18. Jahrhundert auszustatten. Somit ist das Christian-Wolff-Haus im Verbund des Stadtmuseums eine vergleichsweise junge städtische Einrichtung, die auf eine rasante Entwicklung zurückblicken kann. In den vergangenen Jahren konnten hervorragende Exponate durch eine kluge Erweiterungsstrategie hinzugewonnen werden.

 

Diese Entwicklungen wurden auch durch die anhaltende Unterstützung zahlreicher Akteure möglich. Dazu zählen beispielsweise die Freunde und Förderer des Stadtmuseums, die Christian Wolff-Gesellschaft für die Philosophie der Aufklärung und zahlreiche engagierte Personen aus der halleschen Stadtgesellschaft. Beispiele sind die Stuhlpaten-Aktion für den restaurierten historischen Vorlesungssaal, die Herstellung der Wolff-Büste für das im Empfangszimmer oder der 2019 erfolgte Ankauf des Porträts von Christian Wolff. Es ist daher richtig, von einer Gemeinschaftsleistung von Stadt und privatem Engagement zu sprechen, die allein viele Geschichten hervorgebracht hat.

Damit der Ankauf im Jahr 2026 verwirklicht werden kann, bittet das Stadtmuseum also erneut um Unterstützung. Für die Finanzierung werden – zusätzlich zur notwendigen städtischen Förderung – private Spenden in Höhe von mindestens 3.500 Euro benötigt. Werden Sie Teil eines weiteren Ankaufsprojektes und somit Teil dieses ehrgeizigen Projektes der halleschen Gesellschaft! Jeder Beitrag hilft, dieses aussagekräftige Kunstwerk dauerhaft für die Öffentlichkeit zu bewahren! Wenden Sie sich bei Interesse gern an die Kuratorin des Christian-Wolff-Hauses! 

Kontakt: 

Stadtmuseum Halle
Dr. Berit Wagner
Kuratorin Christian-Wolff-Haus
Große Märkerstraße 10

E-Mail: berit.wagner@halle.de
Tel.: 0345-2213032

Spendenkonto 

Förderverein Stadtmuseum Halle e. V.
Volksbank Halle
Kontonummer BLZ DE37 8009 3784 0101 0369 71

Literatur: 

Hans-Joachim Kertscher, „Er brachte Licht und Ordnung in die Welt“. Christian Wolff – eine Biographie, Halle 2025 (2. Auflage)

Cornelia Zimmermann, Geselligkeit und die „Freyheit zu philosophieren“. Einführung in die Ausstellung und den Katalog, in: Geselligkeit und die „Freyheit zu philosophieren“. Halle im Zeitalter der Aufklärung, herausgegeben von der Stadt Halle (Saale), Halle 2012, S. 97 –109

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