Roter Turm

In überwältigender Präsenz auf dem Marktplatz stehend, ist der Rote Turm Zeugnis hallescher Stadtgeschichte und beherbergt mit 76 Glocken Europas größtes Turmglockenspiel. Jede Stunde ertönt der berühmte „Westminster-Schlag“ als Erinnerung der Geburtsstadt Händels an dessen Wirkungs- und Ruhestätte London. Zudem erklingen um 9 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr und 18 Uhr Melodien entsprechend der Jahreszeit.

Der freistehende 84 Meter hohe Rote Turm ist ein Wahrzeichen der Stadt Halle. Zusammen mit der Marktkirche formiert sich das Ensemble zu der bekannten Silhouette der fünf Türme. Künstler wie Caspar David Friedrich und Lyonel Feininger haben den Roten Turm gemalt.

Im spätgotischen Stil aus Sandstein gebaut, ist der Turm in drei Bereiche geteilt. Der rechteckige Unterbau umfasst im Inneren vier Geschossebenen. Darauf schließt sich der achteckige Zentralbau, das Oktogon, mit zwei hohen Glockengeschossen und den Maßwerkfenstern an. Den Abschluss bildet der spitze Turmhelm. Nach Fertigstellung des Turms ließ der Rat der Stadt 1508 eine Uhr mit zwei Zifferblättern einbauen und diese 1580 auf vier Zifferblätter erweitern.

Bereits seit dem 16. Jahrhundert wird der Campanile als „Roter Turm“ bezeichnet. Sein Name lässt sich vielleicht auf das ehemals rote Kupferdach, einen späteren Anstrich der Dachdeckung oder auf die Nähe zum Blutgericht am Heiligen Roland zurückführen.

Im April 1945 verursachte amerikanischer Artilleriebeschuss einen Brand, dem der Turmhelm, die Glockengeschosse und die Umbauung aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Opfer fielen. Zunächst durch Spenden der „Bauhütte Roter Turm“ gesichert, konnte im Jahr 1975 der prächtige Dachhelm wieder aufgerichtet werden, ein einzigartiger Wiederaufbau in der DDR.

Im Jahre 2006 beschloss der Stadtrat dieses Zeugnis gotischer Baukunst zu restaurieren.

Grafik: Aus einer Zeichnung von Hans Richard von Volkmann, 1911, Stadtarchiv Halle (Saale)

Ein Halleluja für die Neugeborenen der Händelstadt

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